Auguste Schneider

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Etwas weiter links auf dem Bilde befand sich das Begräbnis.

"SIE SELBST GEHÖRT DEM HIMMEL..."

Zum Grabe der Auguste Schneider (1756-1785), Tochter des Herzogl. Sa. Gothaischen Raths und Wirklichen Geheimen Secretarii Ludwig Heinrich Schneider (+1764) und Geliebte Herzog Ernst II. von Gotha-Sachsen-Altenburg.

Im späteren Grabe des großen Heinrich August Ottokar Reichard (1751-1828), auf dem alten Gottesacker zu Gotha, lag noch bis in die 1850er Jahre eine weiße Marmortafel auf dem Grabe der Auguste Schneider. Sie wurde zur Geliebten des Gothaer Herzogs Ernst II. von S-G-A. Schon 1784 fing sie an zu kränkeln. Nie war sie die ganzen Jahre dazu bewegbar, Geld oder gar Geschenke vom Herzoge zu nehmen. Arm wie sie gewesen, ist sie gestorben. Sie sah ihrem Tod mit Ruhe und Fassung entgegen. Im Februar 1785 dann starb sie, schon nicht mehr der Sprache mächtig. Der Herzog konnte aus Gründen seines Ehestandes nicht anwesend sein. Er bat seinen Freund den Superintendenten Koppe, alles notwendige zu besorgen. Auch die Worte auf dem Stein stammen von ihm. Diese sehr delikate Beziehung verarbeitete Terese Huber später in ihrem zweibändigen Roman "Die Ehelosen".

Auf ihrem Grabe liesen ihre Freunde eine marmorne Platte aus weißem carrarischen Marmor legen. Um die Platte und das Grab wurde ein eherner Zaun gesetzt.

Auf dem Steine standen folgende Worte:

"Die Hülle, welche die Gute zurück ließ, ehren ihre verwais'ten Freunde durch diesen bescheidenen Stein. Sie selbst gehört dem Himmel."

Dieser Stahlstich aus unserem Archiv zeigt Johann Wolfgang von Goethe in den Jahren um 1780. Es war die Zeit, als er zu Gotha im Sommer 1784 unseren Herzog Ernst II. einen Besuch hat abgestattet. Zu dieser Zeit plagten den Herzog schlimme private Sorgen um seine Geliebte und Konkubine Auguste Schneider (+1785) welche damals schon begann zu kränkeln. Sie war wohnhaft im Purgold`schen Hause in der Schönen Allee und stand unter der Pflege der Schriftstellerin Terese Huber und der Zara Purgold. Goethe lies es sich nicht nehmen, der so geliebten Dame einen Besuch abzustatten. Es sollte sein einziger und letzter bleiben. Goethe schreibt über diese Begegnung: "Ich habe auch die Schneidern besucht., die mir gejammert hat. Sie ist gewiß ein selten gutes Geschöpf, das menschlichem Ansehen nach kein halbes Jahr mehr leben kann. Was aus dem Herzog wird, wenn sie stirbt, sehe ich nicht." Es muss damals also schon sehr schlimm um sie gestanden haben. Im Februar des darauf folgenden Jahres stirbt Auguste Schneider, des Sprechens schon nicht mehr mächtig.

Der Briefträger Thomas schreibt 1806 in seinem Büchlein "Über Kirchhöfe und den sogenannten alten Gottesacker zu Gotha" folgendes über die Begräbnisstätte: "Sie, die holde Jungfrau, war ihren Freunden Alles. Aber, ach! Zu früh mußten sie über ihrer Asche weinen. Sie ließen ihr dieses Denkmal setzen und es durch eine eherne Umgebung vor dem unbedachtsamen Fußtritte des Leichtsinns verwahren."

Schon in den 1850er Jahren war die Grabstätte verschwunden und auch die marmorne Platte ist heute nicht mehr auffindbar.

Ja, selbst der gute Reichard, war ihrem Charme erlegen. Er schreibt in seiner Biographie, dass er dem Herzoge nicht im Wege stehen wollte. Mit folgenden Worten:

"Ich sah die Neigung zwischen beiden keimen und wachsen ; gleichzeitig fühlte ich was ohne diesen Zwischenfall Auguste mir hätte werden müssen. Ein innerer Kampf zwischen meinen Empfindungen für das geliebte Mädchen und der täglich wachsenden Achtung und Ergebenheit für den Herzog begann - er endete bald, und ich beschied mich, in Demoiselle Schneider nur die Schwester zu sehen."

Über ihren Tod schreibt er noch folgendes den Herzog betreffend: "Die Empfindungen des Herzogs über diesen Verlust schildern zu wollen, wäre ein vergebliches Bemühen. Er sprach sie offen aus, und durfte dies um so ungescheuter, als seine Gemahlin, die Herzogin, längst seine Beziehungen zu Auguste Schneider kannte. Der Herzog selbst hatte ihr diese entdeckt, und zwar in den ersten Tagen seiner Genesung von jener schweren Krankheit im Jahre 1779. „Er wollte" (so hatte er gesagt) „die ersten Stunden des, wiedergeschenkten Lebens nicht durch Heimlichkeit oder Trug gegen die Gefährtin desselben entweihen."

Als Reichard starb, lies er sich in das Begräbnis legen. Sein Grab zierte kein Stein. Die eherne Umrandung von Augustes Grab, welche Thomas noch 1806 beschreibt, war die gleiche, welche später um Reichards Grab verlief. Die eherne Umrandung bestand noch im Jahre 1903. Sie wird als Schlosserarbeit aus dem Rokoko beschrieben, Reichard starb aber im Klassizismus. Es muss also noch das alte Gitter gewesen sein.


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