Jakobskapelle

Aus www.gotha-wiki.org/
Version vom 19. Juni 2021, 14:39 Uhr von Admin (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Kapelle St. Jakob (auch Jakobskapelle genannt), war eine romanische Kapelle auf dem Jakobsplatz (dem heutigen Unteren Hauptmarkt) in Gotha.

Geschichte

Über die Erbauungszeit der Kapelle liegen keine schriftlichen Überlieferungen vor[1]. Archäologische Funde der Fundamente des Turmes deuten jedoch auf eine Errichtung in der ersten Hälfte des 10. Jahrhundert[2] hin. [3] Es ist durchaus möglich, dass der Turm von St. Jakob zunächst als massiver Wacht- und Schutzturm innerhalb der ersten einfachen Stadtmauer [4] errichtet und erst später um ein Kirchenschiff erweitert wurde. Ebenso ist es möglich, dass St. Jakob als damals typische romanische Chorturmkirche errichtet wurde, die aus einem kleinen Kirchenschiff plus Chorraum mit Apsis bestand, über dem sich direkt der nach Osten ausgerichtete Turm[5] auf quadratischer Basis erhob. Da Gotha den Urkunden nach bereits Mitte des 10. Jahrhunderts durch Meingoth von Hersfeld eine erste Mauer erhielt (mithin bereits Stadtrecht besessen haben muss), muss es damals auch ein Gotteshaus am zentralsten Platz besessen haben. Die ersten Abbildungen von St. Jakob finden sich auf Stichen von der Belagerung Gothas im Jahre 1547. Deutlich erkennbar ist darauf der auf der Ostseite des Jakobsplatzes (südlich des damaligen Kaufhauses) stehende Turm, an dessen Westseite ein von Nord nach Süd ausgerichtetes Kirchenschiff mit Satteldach anschließt. Da der Jakobsplatz vom Turm aus in gerader Linie nach Westen hin eine deutliche Ausbuchtung besitzt, liegt der Schluss nahe, dass das ursprüngliche romanische Kirchenschiff (typischerweise stets von Ost nach West ausgerichtet) später durch das 1547 zu sehende ersetzt wurde. Nach 1547 und der zweiten Belagerung Gothas 1566/67 wurden Kirchenschiff und alter Turm von St. Jakob abgebrochen und durch einen Neubau aus Sandstein ersetzt. Der neue, höhere Turm von St. Jakob wurde, wie ein um 1590 entstandener Stich der Belagerung 1566/67 von Heinrich Göding zeigt, auf der Westseite des Jakobsplatzes im Stil der Renaissance errichtet (aus behauenem Seeberger Sandstein, wie archäologische Grabungen im Jahre 2018 ergaben). An ihn schloss sich nach Osten hin ein Kirchenschiff mit Satteldach und Apsis an. Da während der Belagerung Gothas im Zuge der Grumbachschen Händel vom Turm von St. Jakob „mit Hacken und Stücken“[6] (d.h. mit Hakenbüchsen und wohl kleineren, leichten Kanonen, z.B. Serpentinells) auf die Belagerer geschossen worden war, musste der Turm nach Übergabe der Stadt an die siegreichen Belagerer abgebrochen werden. Laut Caspar Sagittarius wurde dieser im März 1568 abgebrochen – ein halbes Jahr nach Schleifung der Feste Grimmenstein.[7] Ob tatsächlich ein Abbruch der gesamten Kapelle angeordnet worden war oder zunächst nur der Abbruch des Turmes (bei dem dann das Kirchenschiff aus Versehen mit zerstört wurde), ist nicht klar. Das Abbruchmaterial von St. Jakob wird mit Sicherheit beim Wiederaufbau zerstörter Häuser rund um den Jakobsplatz Verwendung gefunden haben. Die Fundamente wurden wahrscheinlich bereits beim Bau des neuen Kaufhauses (dem heutigen Rathaus) im Jahre 1570 überdeckt und der Standort des alten romanischen Turms scheint sehr bald in Vergessenheit geraten zu sein. Bereits Friedrich Rudolphi erwähnt 1716 nur noch die Lage der Kapelle („Diese Capelle ist gelegen gewesen zwischen dem jetzigen Rath-Hause und dem Gast=Hoffe/zur Schellen genandt …“[8]), ohne jedoch darauf einzugehen, dass es einen alten und einen neuen Turm gab.

Namensgebung

Die von Kiew nach Paris verlaufende mittelalterliche Handelsroute Via Regia, an der Gotha liegt, war seit dem 10. Jahrhundert auch ein bedeutender Arm des Jakobsweges. Der Bau einer dem Schutzpatron der Pilger, dem Heiligen Jakobus dem Älteren, geweihten Kapelle in der Stadt liegt daher nahe. [9] Auch die Namensgebung des gesamten Platzes als Jakobsplan (bzw. bis ins 19. Jahrhundert hinein Jakobsplatz) deutet auf die Bedeutung der Kapelle als Station für Pilger hin.

Archäologische Grabungen 2018/19

Blick auf den Unteren Hauptmarkt mit den im November 2019 freigelegten Fundamenten von Süd- und Ostseite des alten Turmes von St. Jakob. Gut erkennbar ist der Ansatz der im 19. Jahrhundert bei Bauarbeiten angeschnittenen Apsis des Kapellenturms. Photographie von Marcel Andreß

Im Jahre 2018 wurden bei Grabungen des Thüringer Landesamtes für Archäologie und Denkmalpflege auf der Westseite des Unteren Hauptmarktes in etwa einem Meter Tiefe unter dem heutigen Platzniveau in gerader Linie verlaufende behauene Sandsteinquader entdeckt, die von Kalksteinpflaster aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts umgeben sind. Der komplette Verlauf der in das Pflaster eingebetteten Quader wurde seinerzeit jedoch nicht weiter verfolgt, da die Archäologen des TLDA diese für zu modern hielten, um Teil der aus romanischer Zeit stammenden Kapelle und Turm zu sein. Weitere Grabungen stehen derzeit (Stand: Dezember 2019) noch aus.

Laut dem Historiker Jens Geutebrück sind diese Quader jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit Teile des Fundaments des neuen, renaissancezeitlichen Turmes von St. Jakob oder dessen Kirchenschiff, wie sie auf dem Stich Heinrich Gödings von der Belagerung 1566/67 zu sehen sind. Geutebrück lokalisierte anhand alter Beschreibungen und Stiche im September 2018 die wahrscheinliche Lage des alten, auf der Ostseite des Jakobsplatzes stehenden Turmes von St. Jakob. Am 7. November 2019 wurden auf der Ostseite des Unteren Hauptmarktes bei Bauarbeiten in etwa einem Meter Tiefe unter der aktuellen Pflasterung tatsächlich Teile des Fundaments des ursprünglichen romanischen Turmes von St. Jakob entdeckt – etwa in dem Areal, das Geutebrück zuvor als möglichen Standort des alten Turmes identifiziert hatte. Erhalten waren die aus unbehauenen Kalksteinen gemauerte Südseite sowie die Ostseite des Turmes, wobei an letzterer die Ansätze einer nach Osten ausgerichteten Apsis erkennbar waren. Die Befunde deuten auf eine Turmbasis von etwa 7 mal 7 Metern hin, wobei die Mauern eine Stärke von bis zu 1,70 Metern aufweisen. Das die Grabungsfunde untersuchende Thüringer Landesamt für Denkmalpflege datierte die Fundamente in das 13. Jahrhundert und deutete sie nicht als Basis eines Turms, sondern lediglich als jene einer kleinen Kapelle. Sowohl dieser Datierung als auch Deutung widerspricht Geutebrück. Zum einen negiere das TLDA alle älteren Stadtansichten, welche an ebenjener Stelle des Jakobsplatzes / Unteren Hauptmarktes eindeutig einen Turm zeigen. Zudem hält er den Bau einer Kapelle mit derart massiven Mauern in der Südostecke des bereits im 10. Jahrhundert komplett umbauten Jakobsplatzes erst im 13. Jahrhundert für unwahrscheinlich. Der Verlauf des im Dezember 2019 wieder überdeckten Fundaments des alten Turmes von St. Jakob soll bei der geplanten Neupflasterung des Hauptmarktes im Pflaster sichtbar dargestellt werden.

Lokalisierung im September 2018 anhand historischer Quellen durch J. Geutebrück

Gotha Diplomatica 3. Band, Caput IX, von Friedrich Rudolphi aus 1716. 64tes Blatt:

"Diese Capelle ist gelegen gewesen zwischen dem jetzigen Rath-Hause und dem Gast= Hoffe/zur Schellen genandt..."

Man kann eine Linie zwischen Rathausgiebel und Gasthof zur Schelle und hat da durch Flächen, welche man einschließen und ausschließen kann. Zudem hat Rudolphi die Fundamente noch selbst gesehen, vor der Pflasterung aus 1694. Sein Vater Andreas Rudolphi müsste sie auch noch gesehnen haben. Daher seine genauen Angaben.

Dazu muss gesagt werden, das im Jahre 1716 als Rudolphi dies schrieb, der Gasthof zur Schelle "Die silberne Schelle " war und nicht die "Goldene Schelle". Die "Goldene Schelle" war damals kein Gasthof, sondern ein brauberechtigtes Wohnhaus und gehörte dem Vicecantzler Johann Jacobs (1648-1732).

R9e467.png

Ausschluss von nicht in Frage kommenden Flächen

Die mit schwarzen Linien überzogenen Flächen, scheiden aus. Auch der Platz an welchem sich heute der Brunnen befindet; dort stand eine Art Wachhaus, welches aber nach 1567 nicht mehr nachzuweisen ist. Die östliche Seite kommt nicht in Frage, da dort schon damals der offene Leinakanal floss. Die nördliche Seite an den Häusern entlang kommt aus verkehrstechnischen Gründen nicht in in Frage, da sich hinter den Gebäuden Scheuern und Ställe befanden, und deshalb ein Durchweg für große Fahrgeschirre (Heuwagen u.s.w.) aller Art notwendig war. Das gleiche gilt für die gesamte westliche Seite, da nur auf dieser Seite des ehemaligen Kaufhauses (heute steht genau dort das Rathhaus) ein Fahrverkehr möglich war und sich auch hinter der gesamten westlichen Häuserzeile Ställe und Scheuern befanden. Übrig bleibt genau das Areal mittig des Marktes, welches Sagittarius und Rudolphi als den Standplatz der Kapelle bezeichnen und welchen ich letzthin erwähnte. Die gelbe Querlinie bedeutet nochmals den von Rudolphi angegebenen Standplatz, zwischen heutigem Rathaus und dem Gasthof zur silbernen Schelle.

Gotha Diplomatica 3. Band, Caput IX, von Friedrich Rudolphi aus 1716. 64tes Blatt:

"Diese Capelle ist gelegen gewesen zwischen dem jetzigen Rath-Hause und dem Gast= Hoffe/zur Schellen genandt..."

Somit ist das Areal soweit konzentriert, das ein Sondierungsgraben quer über diese Fläche damals schon Fundamente zu Tage hätte bringen können. Da das Kirchenschiff quer stand und östlich davon der Turm, sind so die Gebäude nur in einer Variation möglich.

Sonstiges

Das Nordportal des Rathaus ziert seit 1574 ein gereimter Spruch, der sowohl auf den alten Turm von St. Jakob verweist als auch auf die Goten als vermeintliche Namensgeber Gothas

Ein Hinweis auf den ursprünglichen, auf der Ostseite des Jakobsplatzes stehenden romanischen Turm von St. Jakobs findet sich bis heute am Nordportal des Alten Rathauses. Bei dessen Gestaltung im Stil der Renaissance im Jahre 1574 wurde über dem Rundbogen folgender Spruch eingefügt:

ALS MANN ABBRACH DENN ALTEN DVRM DARAHN STVND DIS LAMB VND LINDWVRM + DAS LAMB DIE GOTTEN GEFVRT IN IHREN FAHNEN IN FRIEDENS ZEITENN : DEN LINDWURM ABER WIDER IHREN FEIND IN KRIEG VND STREITEN :

Links und rechts unterhalb des Reimes flankieren die renaissancezeitlichen Halbreliefs eines Agnus Dei und eines Drachen mit Menschenkopf im Maul das Rathausportal und erinnern daran, dass offensichtlich am alten Turm von St. Jakobs diese beiden christlichen Symbole (möglicherweise als Reliefs in einem oder auch zwei Tympana) zu finden waren. Ob diese beim Abbruch des alten Turmes als vermeintliche Symbole der Goten (die man seinerzeit als Namensgeber Gothas ansah) zunächst gerettet und als Spolien in den neuen Turm oder das neue Kirchenschiff von St. Jakob integriert wurden (und die dann beim endgültigen Abbruch 1568 zerstört wurden), ist unklar.

Literatur & Quellen

  • Rothe, Johann: Düringische Chronik, Eisenach 1421, p. 180
  • De Siegen, Nicolaus: Chronicon ecclesiasticum, Erfurt 1494, p. 44
  • Myconius, Friedrich: Chronika, Gotha 1542, Cap. XVI. p. 102
  • Brief 1548 (Archivnummer AT 12)
  • Handschrift 1553 (Archivnummer AT 523)
  • Handschrift 1557 (Archivnummer AT 212)
  • Handschrift 1568 (Archivnummer AT 223)
  • Befehl Friedrich II. zur Überpflasterung, 1694
  • Sagittarius, Caspar: Memorabilia Historiae Gothanae, Gotha 1689, Cap. XI p. 100
  • Sagittarius, Caspar: Historia Gothana, Jena, 1701-1716, Cap. XI. p.245
  • Tentzel, Wilhelm Ernst: Historia Gothana, Suppl., 1702, S. 43
  • Gregorii, Johann Gottfried: Das erneuerte Alterthum, Frankfurt 1713
  • Rudolphi, Friedrich: Gotha Diplomatica, Gotha 1716, Band 3, Cap. IX. p. 61
  • Mörlin, Johann Gottfried: Ehrengedächtnis auf Friedrich II. (VIRI PERILLVSTRES ATQVE EXCELLENTISSIMI...), Gotha 1732, p. 361
  • Madelung, Friedrich Wilhelm: Beyträge zur Erläuterung und Ergänzung der Geschichte der Stadt Gotha, Gotha 1767, Cap. 1 p. 5, 14
  • Galletti, Johann Georg August: Geschichte und Beschreibung des Herzogthums Gotha, Band 3, Gotha 1780, p. 249
  • Galletti, Johann Georg August: Geschichte der Fürstenthümer der Herzoge von Sachsen von der gothaischen Linike des Ernestinischen Hauses, Gotha 1826, p. 151
  • Rathgeber, Georg: Beschreibung der Herzoglichen Germälde-Gallerie zu Gotha, Gotha 1835, p. 204
  • Hochgesang, Johann Adam Friedrich: Der kirchl. Zustand in Gotha zur Zeit der Reformation, Gotha 1841, p. 26
  • Schulze, Christian Ferdinand: Leben des Herzogs von Sachsen-Gotha und Altenburg Friedrich II., Gotha 1851, p. 200
  • Wegele, Franz X. (Herausg.): Annales Reinhardsbrunnenses, Jena 1854
  • Möller, Johann Heinrich: Klöster in Gotha, II. Augustinerkloster, Gotha 1861, S. 273
  • Schlegel, Ernst, Chron. Gotha, Gotha 1867, S. 15, 98
  • Ortloff, Friedrich: Geschichte der Grumbachischen Händel, Jena 1869
  • Beck, August: Geschichte Gothas, Gotha 1870, Cap. 6 p. 226
  • Werneburg, Albert: Die Verwaltung Thüringens bis zur Zeit der Landgrafen, Erfurt 1894
  • Berbig, Max: Aus dem Tagebuche eines fahrenden Schülers, Gotha 1903, p. 19
  • Heß, Heinrich: Der Bau der Margarethenkirche in Gotha, Gotha 1904
  • Frommann, Friedrich: Thüringische Geschichtsquellen, Jena 1909, p. 10, 15, 277
  • Devrient, Ernst: Die Anfänge des Kreuzklosters und die Pfarrkirchen zu Gotha, Jena 1909, p. 423 - 434
  • Heß, Heinrich: Die Entstehung von Gotha als Stadt und die Margarethenkirche als Stadtkirche, Gotha 1911
  • Tröge, Walther: Thüringer Heimatspiegel, 1924
  • Kohlstock, Karl: Entdeckungsreisen in der Heimat, Gotha 1926, 2:20, 4:34, 4:4; 12:16
  • Schmidt, Kurt: Gotha. Das Buch einer deutschen Stadt, Gotha 1931, S. 15, 116, 118, 132, 154, 234
  • Jauernig, R.: Thüringer Kirchengeschichte, 1936
  • Schmidt, Kurt: Gotha. Das Buch einer deutschen Stadt, Gotha 1938, S. 31, 48, 50, 58
  • Patze, Hans: Die topographische Entwicklung der Stadt Gotha im Mittelalter, Gotha 1955, p. 1-10
  • Hoffmann, Prof. Dr. Hermann: Kirchenbau in Thüringen, 1960
  • Roob, Helmut: Gotha`s Sakralbauten, 1962
  • Roob, Helmut: Grumbach‘sche Händel, Gotha 1966
  • Roob, Helmut: Folgen der Grumbach‘schen Händel, Gotha 1967
  • Schnabel, Dieter: Ritter Wilhelm von Grumbach: Eine mainfränkisch-sächsisch-thüringische Tragödie, Gotha 2000


Holz und Kupferstiche

  • Unbekannter Stecher: Gota, ca. 1530 (Holzstich)
  • Unbekannter Stecher: Gotta (Gota), 1547, (Holzstich)
  • Unbekannter Stecher: Disegno della fortezza et citta di Gotta in Sassonia, Italien 1547 (Holzstich)
  • Göding, Heinrich: Die Belagerung der Stadt Gotha und des Schlosses Grimmenstein im Jahre 1567, Dresden um 1590, (Kupferstich)
  • Poppe, Martin: Die Belagerung der Stadt Gotha und des Schlosses Grimmenstein im Jahre 1567, Gotha 1568, (Kupferstich)

Einzelnachweise

  1. Erbaut um 930 bis 950 nach Christus auf dem Platz des heutigen unteren Marktes. Ein ursprünglich kleineres Kirchenschiff, mit dem Turm östlich angebaut, fällt sie in die Kategorie der sogenannten Chorturmkirchen. An dem östlichen Turm war eine kleine Apsis angebracht. Nach Modernisierung der Kirche St. Margarethen bis zum Jahr 1517, welche den Abbriss der östlichen Türme und den noch heute bestehenden Neubau des Westturmes mit sich brachte, war nun auch um 1548 die Modernisierung der Kirche St. Jakobs begonnen worden. Der alte östliche Turm, von welchem in den letzten Wochen die Fundamente gefunden wurden, kam 1548 zum Abbruch und wurde durch den Neubau eines damals modernen Renaissance-Turmes an der Westseite des Marktes ersetzt. Dieser neue Turm, nahm nun den Platz des Halsgerichtes ein und verkleinerte den unteren Markt so immens, des aus Platzgründen 1553 die hölzerne Kaufhaus abgerissen werden musste und an dessen Stelle die Hinrichtungsstätte entstand. Daher die kontroversen Ansichten, die Lage des Turmes betreffend. (Ost oder West). Auf den Stichen nämlich, aus dem Jahre 1547, kann man den alten Turm noch auf der Ostseite sehen. Auf den Stichen dann aus 1567 erblickt man schon den westlich neugebauten Renaissance Turm, welcher 1568 abgerissen wurde. Dieser Turm bestand nur 19 Jahre. Es bestand also ursprünglich einen Ostturm und nach Abriss des selben entstand der neue Westturm. Im Zuge der Auswirkungen der Grumbach`schen Händel, wurde die Kirche mit samt Turm bis Frühjahr 1568 abgerissen. Die Fundamente müssen noch noch bis August 1694 zu sehen gewesen sein, da die letze Pflasterung des Marktes aus 1534 bis zum Jahre 1694 bestand und erst da überpflastert und zum Teil mit dem im Jahre 1694 entstandenen Wachthaus überbaut wurden. Die Kapelle mit Turm wurde abgetragen bis auf Ebenerdigkeit. Darum lag noch das alte Plaster aus den 1530er Jahren, von welchem nun am Rande der Fundamente Reste aufgetaucht sind. Also muss sie Friedrich Rudolphi bis 1694 jeden Tag gesehen haben und konnte deshalb solch genaue und eigentlich sehr einfache Angaben machen.
  2. F.W.Madelung: "Dergleichen Sammelplatz war Gotha und wurde im Jahre 934 vom Abt Meingoth zu Hirschfeld mit Mauern umgeben."; auch Johann Rothe benennt die Festbebauung der Stadt: "Zu den gezeiten do liess ouch der apt zu Hirssfelde den berg Wachssenburgk buwen umbe der guter willen die dorumbe lagen, die zu seyme stiffte gehorten, unde satzte monche doruff und machte eyne kirchen unde des stifftes man, das nu alles anders worden ist. Ouch wart von on gebuwet Gotha mit deme ersten, das sedir qwam an die graven von swartzburgk mit Wachssenburgk unde dornoch an die lantgraven zu Doryngen."
  3. Für eine Erbauung zwischen 950 und 1000 spricht auch, dass bereits 1064 die Margarethenkirche erwähnt wird, die bei der Erweiterung Gothas nach Osten hin auf dem Neumarkt als größere romanische Doppelturmbasilika errichtet worden war.
  4. Die erste Stadtmauer erhielt Gotha unter Abt Meingoth von Hersfeld im Jahre 933.
  5. Aus dem Tagebuch des Peter Mylius aus 1402 erfahren wir: "Auf dem Markte steht die Jakobskapelle mit einem gar hohen und festen Turm, der alle Türme der Stadt weit überragt."
  6. Friedrich Rudolphi: Gotha Diplomatica, Band 3, Caput IX, 64tes Blatt
  7. Caspar Sagittarius: Cap. XI. p.246, "Soluta obsidione anno CIƆIƆLXVIII. turris S. Iacobi fuit diruta."
  8. Friedrich Rudolphi: Gotha Diplomatica, Band 3, Caput IX, 64tes Blatt
  9. Die ursprünglich ebenfalls romanische Jakobskirche in Weimar steht auf dem Jakobshügel und hat ihre Benennung explizit nach dem heiligen Jakobus erhalten, da auch Weimar an der Via Regia und damit am Jakobsweg liegt.

Urheberrechtshinweis

Das Copyright an dieser Expertise liegt bei Andreas M. Cramer, Gotha und Jens Geutebrück, Hörselgau.

Alle Texte und Bilder dieser Homepage unterliegen dem Urheberrecht und dem Gesetz zum Schutz geistigen Eigentums und dürfen ohne schriftliche Genehmigung des Autors weder kopiert, verändert oder auf anderen Webseiten verwendet werden.